Zur Einwilligung in Pressefotos bei Modenschauen

Landgericht Berlin

Urteil v. 06.03.2007 - Az.: 27 O 1063/06

Leitsatz

Eine konkludente Einwilligung zur Veröffentlichung von Fotos einer öffentlichen Modenschau ist anzunehmen, wenn das Model vor Fotografenkameras posiert, ohne ausdrücklich eine Presseveröffentlichung der Bilder zu verbieten.

Sachverhalt

Die Klägerin nahm an einer Modenschau für Dessous teil. Anschließend wurde ein Foto von ihr in der Presse veröffentlicht. Die Klägerin verlangt Schmerzensgeld. Sie bringt vor, sie habe keiner Presseveröffentlichung zugestimmt. Vielmehr sei sie davon ausgegangen, dass es sich um eine Modenschau vor Fachpublikum unter Ausschluss der Öffentlichkeit handele.

Das betroffene beklagte Presseunternehmen und der Fotograf bestritten dies, vielmehr sei die Modenschau eine öffentliche Abendveranstaltung mit erheblicher Pressebeteiligung gewesen. Zwei der Models seien anschließend zum Fotograf gekommen und hätten darum gebeten, keine Fotos zu veröffentlichen. Der Veranstalter habe auf die Nachfrage des Fotografen geäußert, alle anderen Models seien mit einer Presseveröffentlichung einverstanden.

 

Entscheidungsgründe

Der Klägerin wurde kein Schmerzensgeld zugesprochen mit der Begründung, dass schon keine Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts durch die Pressefotos gegeben sei. Das Gericht nahm eine konkludente Einwilligung durch das Verhalten der Klägerin an.

Für die Frage der Einwilligung komme es auf den objektiven Empfängerhorizont, mithin darauf an, wie der Fotograf das Verhalten der Klägerin verstehen musste. Die Klägerin beteiligte sich an einer Modenschau, die – sei sie nur für Fachpublikum angeboten oder nicht – ersichtlich unter erheblicher Pressebeteiligung stattfand. Sie hat – anders als andere Models – einer Presseveröffentlichung der von ihr angefertigten Fotos nicht widersprochen. Aus diesen Gegebenheiten schloss das Gericht, dass der Fotograf von einer Einwilligung in die Veröffentlichung von Fotos, die er auf der Modenschau von der vor ihm posierenden Klägerin fertigte, ausgehen durfte. Die Klägerin habe auch nicht damit rechnen können, dass die Modenschau nur ein begrenztes Fachpublikum interessiere, da sie ein Interesse der Veranstalter an einer Berichterstattung hätte erkennen müssen.