Zeitungsbericht mit Überschrift "Sex-Monster" und Abdruck von Nacktbild unzulässig

Landgericht Hamburg

Urteil v. 28.05.2009 - Az.: 324 O 733/09

Leitsatz

Die Presseberichterstattung über eine Person, welcher der Vorwurf sexuellen Missbrauchs von Kindern gemacht wird, ist rechtswidrig, wenn Nacktfotos dieser Person veröffentlicht werden und sich in dem Zeitungsartikel Formulierungen wie "Sex-Schwein" und "Sex-Monster" wiederfinden. Auch wenn die Vorwürfe einen Wahrheitskern haben, so verletzt diese Berichterstattung das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und kann die Zahlung einer Geldentschädigung rechtfertigen.

Sachverhalt

Die beklagte Zeitung veröffentlichte Nacktfotos des Klägers, welche in Thailand aufgenommen wurden und den Kläger im Bett mit zwei Jungen zeigte. Gegen den Kläger wurde bereits wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt. Im Rahmen dieser Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Jungen möglicherweise doch nicht minderjährig waren. Daher wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt.

Der Kläger sah sich durch die Berichterstattung der Beklagten in seinem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht und in seinem Recht am eigenen Bild verletzt und klagte auf mindestens 80.000,- EUR Geldentschädigung.

Entscheidungsgründe

Die Richter gaben dem Kläger teilweise Recht und sprachen ihm 40.000,- EUR Geldentschädigung zu.

Die Bildveröffentlichung, die den Kläger vollständig entkleidet auf dem Bett zeige, verletze das Recht des Klägers am eigenen Bild. Es bestehe im Rahmen einer Gesamtgüterabwägung kein öffentliches Interesse, nackt abgebildet zu werden. Schließlich handle es sich bei der in Rede stehenden Veröffentlichung um die umfassend geschützte Intimsphäre des Klägers.

Auch die Formulierungen "Sex-Schwein" und "Sex-Monster" verletzten den Kläger in ungerechtfertigter Weise in seinem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs sei eingestellt worden, dennoch habe die Beklagte den Kläger als Täter einer solchen Tat dargestellt.

Aufgrund der massiv herabwürdigenden Berichterstattung stehe dem Kläger die Zahlung einer Geldentschädigung zu. Hier habe das Gericht 40.000,- EUR als angemessen, aber ausreichend angesehen, da der Berichterstattung nicht jegliche Grundlage fehle, sondern sie einen zutreffenden Kern habe.