Wiederverkäufer von Konzertkarten haftet nicht für Durchführung des Konzerts

Oberlandesgericht Hamm

Urteil v. 30.07.2009 - Az.: 4 U 69/09

Leitsatz

1. Ein Verkäufer von Konzertkarten schuldet lediglich die Übertragung des Rechts zum Zugang zum Konzert. Er haftet dagegen nicht für die Durchführung des Konzerts. Wird das Konzert abgesagt, kann der Käufer den Kartenpreis vom Veranstalter des Konzerts zurückverlangen.

2. Bietet der Kartenverkäufer für den Fall der Absage eines Konzerts die Rücknahme der Konzertkarten an, so ist es wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn er lediglich den auf der Karte aufgedruckten Kartenpreis und nicht den höheren Verkaufspreis auszahlt.

Sachverhalt

Der Beklagte bot im Internet auf einer Auktionsplattform gewerblich Eintrittskarten für Konzerte an. U.a. waren bei ihm Karten für bereits ausverkaufte Konzerte zu ersteigern.

Auf seinen Angebotsseiten war unter der Überschrift "Rücknahme" folgende Klausel eingeblendet:

"Sofern das Konzert … abgesagt wird, wird dem Kunden vom Verkäufer das Recht eingeräumt, die Eintrittskarte/n unverzüglich, spätestens jedoch eine Woche nach Absage des Konzerts … an den Verkäufer an obig angegebenen Anschrift zurückzusenden. Maßgeblich ist das Datum der Absendung der Karte/n. Sofern der Verkaufspreis der Karte/n nicht unter dem abgedruckten Kartenpreis liegt, wird dem Kunden der Kartenpreis, ansonsten lediglich der Verkaufspreis zurückerstattet."

Die Klägerin, die ebenfalls im Internet mit Eintrittskarten handelt, hielt die Klausel für unwirksam und mahnte den Beklagten ab.

Entscheidungsgründe

Das Gericht wies die Klage ab. Die Abmahnung der Klägerin sei unberechtigt gewesen.

Die beanstandete Klausel sei nicht wettbewerbswidrig. Insbesondere benachteilige sie den angesprochenen Kartenkäufer nicht unangemessen. Wesentliche Rechte des Käufers seien nämlich durch die Klausel nicht beeinträchtigt.

Der Kauf von Konzertkarten im Internet stelle einen Rechtskauf dar. Die Konzertkarte sei ein Legitimationspapier, das dem jeweiligen Inhaber das Recht des Zugangs zum Konzert einräume. Der Kartenverkäufer habe seinen Vertrag dann erfüllt, wenn er die Konzertkarte übereignet habe. Für die Durchführung des Konzertes sei er jedoch nicht verantwortlich, dies sei Sache des Veranstalters. Wird ein Konzert abgesagt, könne der Käufer den Veranstalter in Anspruch nehmen und von diesem den auf der Karte abgedruckten Kartenpreis erstattet verlangen. Der Kartenverkäufer dürfe seinen Gewinn behalten.

Er sei dagegen nicht verpflichtet, verkaufte Karten bei Absage eines Konzerts zurückzunehmen. Räumt er seinen Kunden dennoch - wie hier - ein Rücktrittsrecht ein, um ihnen den Gang zum Veranstalter abzunehmen, so dürfe er durchaus das Rücktrittsrecht dahingehend beschränken, dass er dann nur die Rückzahlung des Kartenpreises und nicht des Verkaufspreises vornehme.