Urheberrechtsschutz für Dokumentarfilm über Musikgruppe

Oberlandesgericht Hamburg

Urteil v. 11.08.2010 - Az.: 5 U 18/08

Leitsatz

Ein Dokumentarfilm, über eine Musikgruppe, welche enorme Berühmtheit in den 60er Jahren erlangt hat, genießt urheberrechtlichen Werkschutz. Dies gilt insbesondere deshalb, weil der Dokumentarfilm nicht bloß alte Konzertmitschnitte aneinanderreiht, sondern durch gestalterische Mittel ein eigenes Werk schafft.

Sachverhalt

Bei der Klägerin handelte es sich um die Produzentin einer DVD, die einen Dokumentarfilm einer berühmten amerikanischen Musikgruppe aus den 60er Jahren herausgab. Bei dem Film handelte es sich um verschiedene Bild- und Tonaufnahmen der Band, Konzertmitschnitte und Interviews mit den noch lebenden Mitgliedern der Gruppe.

Die Beklagte vertrieb eine DVD, auf welcher der identische Film vorhanden war. Dies hielt die Klägerin für urheberrechtswidrig und klagte.

Entscheidungsgründe

Die Richter gaben der Klägerin Recht. Sie erklärten, dass die Beklagte die DVD in urheberrechtswidriger Weise vervielfältigt und vertrieben habe.

Der Dokumentarfilm weise den erforderlichen Werkcharakter auf, um urheberrechtlichen Schutz zu genießen. Der Film erreiche als persönliche geistige Schöpfung den Schutz der sogenannten "Kleinen Münze", also denjenigen Gestaltungsschutz, der das Minimum der Gestaltungshöhe gerade noch erreicht.

Vorliegend stelle der Film nicht bloß eine reine Aneinanderreihung von Filmausschnitten dar. Durch die Schwerpunktsetzung, die besonderen gestalterischen Stilmittel und die älteren sowie die aktuellen Interviews der Bandmitglieder komme dem Film ein urheberrechtlicher Werkschutz zu.