Tätowierer muss im Schaufenster nicht zwingend Preisverzeichnis auslegen

Oberlandesgericht Hamburg

Urteil v. 04.05.2011 - Az.: 5 U 207/10

Leitsatz

Ein Tätowierer, der ein eigenes Studio betreibt, muss nicht zwingend ein Preisverzeichnis in seinem Schaufenster auslegen. Tätowieren ist allgemein als künstlerische Leistung anerkannt, deren Preis sich individuell nach Motivwahl und Aufwand berechnet.

Sachverhalt

Bei dem Kläger handelte es sich um einen Wettbewerbsverband. Dieser ging gegen den Beklagten, den Betreiber eines Tätowierstudios, vor.

Der Kläger monierte, dass der Tätowierer in seinem Schaufenster kein Preisverzeichnis ausgelegt habe und damit gegen die Vorschriften der Preisangabenverordnung verstoße. Dazu sei er aber nach Ansicht des Wettbewerbsverbandes verpflichtet. Der Beklagte wandte ein, dass es sich teilweise um sehr individuelle und aufwendige Arbeiten handle, die nicht einem bestimmten Einheitspreis unterlägen. Ein Preisverzeichnis mache daher nach Ansicht des Beklagten keinen Sinn.

Entscheidungsgründe

Das Gericht folgte der Argumentation des Beklagten und gab ihm Recht.

Sie erklärten, dass eine Tätowierung in nahezu allen Fällen individuell besprochen und gestaltet werde. Der Kläger habe zumindest nichts dafür vorgetragen, dass der Beklagte hier typisierte Tätowierungen vornehme. Sowohl Motiv- und Farbwahl als auch die Hautbeschaffenheit und das zu tätowierende Körperteil des Kunden könne jeweils unterschiedlich Zeit in Anspruch nehmen.

Insofern könne die Tätowierleistung des Beklagten nicht standardisiert und damit auch nicht in einem einheitlichen Preisverzeichnis festgelegt werden.