Kein Porsche für 5,50 EUR bei eBay-Versteigerung

Landgericht Koblenz

Urteil v. 18.03.2009 - Az.: 10 O 250/08

Leitsatz

Eine Forderung aus einem eBay-Angebot über einen Porsche 911 zu einem Kaufpreis von 5,50 EUR ist gerichtlich nicht durchsetzbar, wenn das Angebot fehlerhaft ist und der Verkäufer umgehend die Aktion beendet. Nach den Grundsätzen der unzulässigen Rechtsausübung besteht in diesen Fällen keine Schadensersatzpflicht.

Sachverhalt

Der Beklagte bot auf der Internet-Auktionsplattform eBay einen Porsche 911 zu einem Mindestgebot von 1,- EUR an. Als er merkte, dass ihm bei der Einstellung des Angebotes ein Fehler unterlaufen war, beendete er nach acht Minuten vorzeitig die Auktion.

Noch während das Angebot bei eBay regulär lief, bot der Kläger 5,50 EUR für den Porsche. Sein Höchstgebot belief sich auf einen Betrag von 1.100,- EUR. Nachdem der Kläger von dem Beklagten die Übergabebedingungen erfahren wollte, weigerte dieser sich den Porsche an den Kläger zu einem Preis von 5,50 EUR zu übergeben.

Daraufhin begehrte der Kläger die Zahlung eines Schadensersatzes von 75.000,- EUR, da er der Auffassung war, dass Auto soviel wert sei und der Kaufvertrag wirksam zustande gekommen sei.

Entscheidungsgründe

Die Richter wiesen die Klage ab. Zwar stellten sie zunächst fest, dass der Kaufvertrag zwischen den Parteien wirksam zustande gekommen sei und der Beklagte diesen habe erfüllen müssen. Da dies nicht geschehen sei, sei er dem Kläger grundsätzlich zur Zahlung eines Schadensersatzes verpflichtet. Jedoch sei die Durchsetzbarkeit eines solchen Anspruchs rechtsmissbräuchlich.

Der Schuldner sei verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben es erfordern. Hiernach habe jeder Vertragspartner auf die berechtigten Interessen des anderen Teils Rücksicht zu nehmen. Dabei mache nicht jede übermäßige wirtschaftliche Benachteiligung der Gegenseite eine Durchsetzung der Ansprüche unzulässig. Es müsse sich vielmehr um Ausnahmefälle einer grob unbilligen, mit der Gerechtigkeit nicht zu vereinbarenden Benachteiligung handeln.

So liege es im vorliegenden Fall. Der Beklagte habe umgehend versucht seinen Fehler zu korrigieren und nach acht Minuten die Auktion beendet. Im Normalfall dauerten solche Auktionen bis zu einer Woche. In dieser Zeit sei es üblich, dass eine Vielzahl von Geboten eingehen. Davon habe auch der Kläger ausgehen müssen. Selbst sein Höchstgebot wäre mit aller Wahrscheinlichkeit überboten worden. Er habe also nicht ernsthaft damit rechnen dürfen, dass er den Wagen für 5,50 EUR ersteigert hätte, wenn der Beklagte die Auktion bis zum Ende durchgeführt hätte.