Hochzeitsfotos von Günther Jauch dürfen veröffentlicht werden

Oberlandesgericht Hamburg

Urteil v. 21.10.2008 - Az.: 7 U 11/08

Leitsatz

1. Die Hochzeit eines bekannten Fernsehmoderators stellt ein Ereignis der Zeitgeschichte dar, so dass es für die Veröffentlichung entsprechender Fotos keiner Einwilligung bedarf. Die Ehefrau hat auch dann keinen Anspruch auf Unterlassung der Veröffentlichung, wenn sie selbst nicht berühmt ist.

2. Bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen wegen redaktioneller Berichterstattung steht dem Verletzten kein Anspruch auf eine fiktive Lizenz zu. Dies wäre mit der Pressefreiheit unvereinbar.

Sachverhalt

Die Ehefrau eines bekannten Fernsehmoderators wehrte sich gegen die redaktionelle Berichterstattung über ihre Hochzeit im Potsdamer Schloss Belvedere sowie gegen ein Foto, das sie und ihren Ehemann nach der Trauung zeigt.

Das Foto wurde außerhalb der von dem Hochzeitspaar veranlassten Absperrungen aufgenommen und im Innenteil einer Zeitschrift abgedruckt. Der dazugehörige Bericht enthielt Einzelheiten zum Ablauf der Feierlichkeiten, zu den geladenen Gästen sowie die wörtliche Wiedergabe des Segenswunsches der siebenjährigen Tochter des Paares.

Entscheidungsgründe

Das Gericht wies sämtliche Ansprüche zurück. In der Veröffentlichung des Fotos sowie des redaktionellen Berichts liege keine Persönlichkeitsrechtsverletzung der Ehefrau. Durch die Bekanntheit des Fernsehmoderators sei seine Hochzeit ein Ereignis von bedeutendem öffentlichen Interesse. Dies gelte zum einen, weil eine Hochzeit die Möglichkeit biete, das reale Leben von Prominenten mit ihrem sonstigen Auftreten in der Öffentlichkeit zu vergleichen und sich ein Bild von der Person des Prominenten zu machen. Zum anderen sei hier das öffentliche Interesse dadurch hervorgerufen worden, dass die Hochzeit in bekannten, sonst für die Öffentlichkeit zugänglichen Gebäuden stattfand, die großräumig abgesperrt wurden, sowie viele bekannte Persönlichkeiten geladen waren. Bei einer Hochzeit sei auch die Beteiligung der - ansonsten nicht berühmten - Ehefrau ein zeitgeschichtliches Ereignis.

Auch in der Textberichterstattung liege keine Persönlichkeitsrechtsverletzung, weil diese keine ehrenrührigen, unschicklichen oder höchstprivaten Aspekte betreffe, sondern lediglich das Ereignis von öffentlichem Interesse wiedergebe. Dies gelte ebenso für den Segenswunsch der Tochter, der durch die Beteiligung der Tochter an dem zeitgeschichtlichen Ereignis von öffentlichem Interesse sei.

Schließlich stellte das Gericht klar, dass das Begehren der Klägerin nach einer fiktiven Lizenz bereits deshalb ausscheide, weil ein derartiger Anspruch auf Schadenersatz für redaktionelle Berichterstattung grundsätzlich nicht bestehe. Müssten Redakteure ihre Berichte stets auf mögliche Persönlichkeitsrechtsverletzungen überprüfen, die sich erst nach genauerer Abwägung ergäben, und entsprechende Schadenersatzansprüche in nicht unerheblicher Höhe befürchten, wäre die Berichterstattungsfreiheit erheblich gestört.