Heimliches Fotografieren von Kolleginnen verboten

Landesarbeitsgericht Mainz

Urteil v. 03.11.2009 - Az.: 3 Sa 357/09

Leitsatz

Einem Arbeitnehmer ist es untersagt, heimlich seine Kolleginnen von hinten zu fotografieren. Er verletzt damit die Würde der abgelichteten Frauen und deren Recht am eigenen Bild. Ein solches Verhalten ist nur dann kündbar, wenn der Arbeitgeber zuvor eine Abmahnung ausgesprochen hat.

Sachverhalt

Bei der Beklagten handelte es sich um die Arbeitgeberin des Klägers. Dieser ging gegen seine außerordentliche fristlose Kündigung vor. Er hatte zuvor heimlich Kolleginnen mit der Kamera seines Mobiltelefons aufgenommen, was die Beklagte entdeckte. Darüber hinaus wies die Beklagte darauf hin, dass der Kläger sich bereits in der Vergangenheit unerwünscht und unpassend gegenüber Kolleginnen benommen habe, weswegen nun keine Weiterbeschäftigung mehr möglich sei.

Hiergegen wandte sich der Kläger.

Entscheidungsgründe

Die Richter gaben dem Kläger Recht.

Sie erklärten zwar, dass das Verhalten des Klägers die Würde der fotografierten Kolleginnen verletzte sowie deren Recht am eigenen Bild. Er habe sich diesbezüglich schuldhaft pflichtwidrig verhalten, weil er die Rechte der Kolleginnen und darüber hinaus den sogenannten "Bereich der betrieblichen Verbundenheit" verletzt habe.

Dennoch sei die außerordentliche Kündigung unverhältnismäßig und daher unwirksam. Die Beklagte hätte zuvor zunächst eine Abmahnung aussprechen können und erst nach danach - für den Fall, dass der Kläger sein Verhalten weiterhin nicht geändert hätte - eine außerordentliche Kündigung aussprechen können.