Haftung eines Internet-Hotelreservierungsdienstes für Mehrkosten

Amtsgericht Koeln

Urteil v. 10.10.2011 - Az.: 142 C 518/10

Leitsatz

1. Ein Internet-Reisevermittler hat Schäden zu ersetzen, die dem Urlaubsreisenden dadurch entstehen, dass er seine Pflichten aus dem Reisevermittlungsvertrag verletzt hat.

2. Hat der Urlaubsreisende die Pflichtverletzung glaubhaft gemacht, so trägt der Reisevermittler die Beweislast, seine Pflichtverletzung zu widerlegen.

Sachverhalt

Die Beklagte betrieb einen Internet-Hotelreservierungsdienst für Privat- und Geschäftskunden auf Grundlage von Kooperationsverträgen mit Hotels. Die Klägerin buchte über die Website der Beklagten zwei Doppelzimmer für einen mehrtägigen Aufenthalt im europäischen Ausland.

Hierfür erhielt sie eine Buchungsbestätigung von der Beklagten. Am Anreisetag stand der Klägerin jedoch kein Hotelzimmer zur Verfügung, so dass diese zu einer Umbuchung gezwungen war. Dadurch entstanden der Klägerin Mehrkosten in Höhe von mehreren hundert Euro. Die Klägerin verlangte nunmehr Schadensersatz vom Internet-Hotelreservierungsdienst.

Die Beklagte wendete ein, die Klägerin müsse ihre Ansprüche gegen das Hotel richten, da ihrerseits lediglich eine Vermittlungsleistung geschuldet war, die sie pflichtgemäß erbracht hat.

Entscheidungsgründe

Das Gericht gab der Klage statt und räumte der Klägerin einen Anspruch auf Schadensersatz ein.

Die Beklagte habe die ihr aus dem Vertrag obliegenden Pflichten dadurch verletzt, dass sie einerseits die Buchung der Klägerin nicht ordnungsgemäß an das Hotel weitergegeben habe und andererseits die Buchung durch das Hotel nicht bestätigen ließ. Die Vermittlungstätigkeit durch den Internet-Hotelreservierungsdienst stelle einen Reisevermittlungsvertrag dar, der wechselseitige Rechte und Pflichten begründe. Das Mindestmaß der Vermittlungsleistung sei die Weitergabe der Reservierung durch die Beklagte.

Den Beweis für die erfolgte Weiterleitung der Reservierung trage die Beklagte. Grundsätzlich sei bei erfolgsbezogenen Pflichten der Geschädigte beweispflichtig. Liegen jedoch konkrete Anhaltspunkte für eine Pflichtverletzung vor, müsse der Schädiger beweisen, dass er seinen Pflichten nachgekommen sei. Für eine Pflichtverletzung genüge es hier bereits, dass trotz einer Buchungsbestätigung durch die Beklagte kein Hotelzimmer für die Klägerin zur Verfügung stand. Die Beklagte sei nicht in der Lage, den Zugang der E-Mail im Hotel zu belegen.

Eine Pflichtverletzung sei bereits schon deshalb anzunehmen, da sich die Beklagte beim entsprechenden Hotel nicht rückversichert habe, ob das Angebot des Kunden erfolgreich eingegangen sei. Für die Beklagte bestehe deshalb die Pflicht, den entstandenen Schaden zu ersetzen.