Fotograf muss bei Unklarheiten über Auftragsarbeiten nachfragen

Amtsgericht Muenchen

Urteil v. 12.05.2011 - Az.: 223 C 9286/11

Leitsatz

Wird ein Fotograf beauftragt, Aufnahmen für einen Fotokalender anzufertigen, dann handelt es sich grundsätzlich um einen Werkvertrag. Bestehen hinsichtlich des Auftrags und dessen Modalitäten Unklarheiten, ist der Fotograf verpflichtet, diese vorab zu klären und nachzufragen. Dies gilt vor allem dann, wenn der Auftraggeber dem Fotografen als Beispiel eine Vielzahl von querformatigen Bildern schickt und der Fotograf von sich aus trotzdem ein Hochformat liefert.

Sachverhalt

Bei dem Kläger handelte es sich um einen Fotografen. Dieser wurde von dem Beklagten damit beauftragt, für einen Architekturkalender ein Hotel zu fotografieren. Das Foto sollte mindestens "440 x 320 mm" betragen. Als Beispiel, wie der Beklagte sich die Fotos vorstellte, schickte er dem Kläger den Architekturkalender des Vorjahres. Dort waren sämtliche Bilder im Querformat abgebildet. Nachdem es zu der Auftragserteilung gekommen war, schickte der Kläger dem Beklagten das Bild im Hochformat.

Der Beklagte erklärte, dass dies nicht Vereinbarung entspreche und weigerte sich das Bild abzunehmen und das Honorar zu zahlen. Er bot dem Kläger an, dass dieser eine Nachbesserung vornehmen solle oder der Beklagte dies tue, dafür aber sämtliche Nutzungsrechte übertragen bekomme. Der Kläger kam dem nicht nach und verlangte gerichtlich Zahlung des ausstehenden Honorars.

Entscheidungsgründe

Das Gericht wies die Klage ab.

Es führte in seiner Begründung aus, dass es sich bei der Beauftragung des Fotografen durch den Beklagten um eine Werkleistung handle, die nach dem Werkvertragsrecht beurteilt werden müsse. Hiernach stehe dem Kläger kein Anspruch auf Zahlung zu, da er die Fotografie nicht wie vereinbart geliefert habe.

Es wäre Aufgabe des Klägers gewesen, sich bei Unklarheiten über den Umfang und die Modalitäten des Auftrags bei dem Beklagten vorab zu erkundigen oder nachzufragen. Es sei hier nämlich auffällig gewesen, dass der Kalender, den der Kläger als Beispiel bekommen habe, nur Querformate aufwies. Dies sei ein eindeutiges Indiz gewesen, dass der Beklagte Querformate bevorzuge. Er habe angesichts der beigefügten Querformate nachfragen müssen, ob der Beklagte dies für seinen jetzigen Kalender auch so plane. Dies gelte vor allem dann, wenn der Fotograf plane, aufwendige und teure Foto-Aufbauarbeiten vorzunehmen.