Arbeitsaufwand für Fachbuch-Übersetzer nicht bei Bemessung der Vergütung zu berücksichtigen

Oberlandesgericht Muenchen

Urteil v. 28.10.2010 - Az.: 29 U 1728/06

Leitsatz

Ein höherer Arbeitsaufwand, den ein Fachbuch-Übersetzer aufgrund des Einarbeitens in die fachliche Materie aufbringen muss, findet keine unmittelbare Berücksichtigung in der Bemessung einer angemessenen Vergütung. Allein die Tatsache, dass der Übersetzer mehr Zeit für die fachliche Recherche investieren muss, begründet noch kein Abweichen von den normalerweise gezahlten Regelsätzen.

Sachverhalt

Die Klägerin war Übersetzerin und übersetzte im Auftrag der Beklagten ein Fachbuch. Sie vereinbarten ein Seitenhonorar als Garantiehonorar. Die weitere Absatzvergütung wurde jeweils ab dem fünftausendsten Exemplar des Buches gezahlt. Mit der Zahlung des Honorars wurden sämtliche Nutzungsrechte übertragen.

Da es sich um ein Fachbuch handle und die Übersetzung aufgrund der fachlichen Materie einen höheren Arbeitsaufwand bedeutet habe, begehrte die Klägerin, dies in der Bemessung der angemessenen Vergütung zu berücksichtigen. Da die Beklagte sich weigerte, ersuchte die Klägerin gerichtliche Hilfe.

Entscheidungsgründe

Das Gericht gab der Klägerin teilweise Recht.

Es führte in seiner Begründung aus, dass die angemessene Vergütung grundsätzlich nicht für die erbrachte Leistung und die damit verbundene Arbeit gezahlt werde, sondern für die Einräumung der Nutzungsrechte und die Erlaubnis zur Werknutzung. Die angemessene Vergütung hänge daher in erster Linie davon ab, wie groß das Ausmaß der Werknutzung sei.

Daher werde der Arbeitsaufwand und die längere Zeit, die für eine intensivere Recherche notwendig gewesen sei, nicht unmittelbar bei der Bemessung einer angemessenen Vergütung berücksichtigt. Eine Berücksichtung finde sich nur bei der Honorierung der Übersetzung der einzelnen Seite, da die Höhe der Absatzvergütung vom Seitenhonorar abhängig sei und dies wiederum vom Arbeitsaufwand bei der Erstellung der Übersetzung.