Tätowieren ist als künstlerische Leistung einzustufen

Landgericht Hamburg

Urteil v. 24.09.2010 - Az.: 327 O 702/09

Leitsatz

Bei der Tätigkeit eines Tätowierers handelt es sich um eine künstlerische Leistung. Daher liegt auch keine Verpflichtung vor, im Schaufenster einen Preisaushang anzubringen.

Sachverhalt

Bei der Klägerin handelte es sich um einen Wettbewerbsverband, der gegen den Beklagten, einen Tätowierer mit eigenem Studio, vorging.

Die Klägerin monierte, dass der Beklagte in seinem Studio keine Preisverzeichnisse ausgelegt habe. Dazu sei er aber gemäß den Vorschriften der Preisangabenverordnung (PAngVO) verpflichtet, da keine künstlerische, sondern eine manuell-handwerkliche Tätigkeit vorliege. Diese handwerkliche Tätigkeit unterliege auch der Verpflichtung, für die Kunden einen sichtbaren Preisaushang anzubringen.

Daher begehrte der Kläger Unterlassung.

Entscheidungsgründe

Die Richter wiesen die Klage ab.

Sie erklärten, dass es sich bei der Tätigkeit eines Tätowierers nicht um eine rein handwerkliche Arbeit handle, sondern vielmehr um eine künstlerische Leistung. Die Entwürfe eines Tätowierers seien zweifelsohne als künstlerisches Auftragswerk zu sehen. Dies liege auch daran, dass der Tätowierer seine Skizzen häufig anhand der Ideen seiner Kunden fertige und verbessere.

Derartige Leistungen seien nach der Ausnahmevorschrift der PAngVO zu bewerten, wonach der Beklagte nicht verpflichtet sei, einen verbindlichen Preisaushang anzubringen. Auch die Angabe einer Stundenverrechnung sei nicht erforderlich. Denn jedes Kunstwerk hänge von vielen Faktoren ab und stelle eine speziell auf den Einzelfall abgestimmte Leistung dar.