Schleichwerbung in Zeitschrift für Diät-Produkte unzulässig

Landgericht Itzehoe

Urteil v. 06.04.2010 - Az.: 5 O 81/09

Leitsatz

Eine als redaktioneller Artikel getarnte Werbung in einer Frauenzeitschrift ist rechtswidrig, wenn dies in der Form geschieht, dass über ein bestimmtes Diät-Produkt und dessen sensationellen Erfolg berichtet wird mit den Worten "Toll! 28 Kilo weg - in nur einem halben Jahr!".

Sachverhalt

Bei dem Kläger handelte es sich um einen Wettbewerbsverein. Dieser beanstandete, dass die Beklagte, eine Frauenzeitschrift, eine als redaktionellen Artikel getarnte Werbung veröffentlicht habe. Der Artikel beschrieb, dass ein bestimmtes Diät-Produkt sensationelle Erfolge verspreche. Überschrift des Beitrags war

"Toll! 28 Kilo weg - in nur einem halben Jahr!".

Der Wettbewerbsverein war der Auffassung, dass es sich dabei um Schleichwerbung handle und klagte.

Entscheidungsgründe

Die Richter gaben dem Wettbewerbsverein Recht.

Sie erklärten, dass der Zeitungsbericht nur von dem einen, bestimmten Diät-Produkt gehandelt habe. Es waren keinerlei Vergleichsprodukte aufgeführt und auch habe der gesamte Artikel keine kritischen Aspekte bedacht. Es fanden sich ausschließlich oberflächliche und einseitige Formulierungen.

Zudem sei der Bericht über die Gewichtsreduktion mit dem Produkt derartig in den redaktionellen Teil eingebunden gewesen, dass der Leser erwarte, dass es sich um einen objektiv-neutralen Zeitungsbericht handle. Er werde nicht davon ausgehen, dass der Artikel von gewerblichen Interessen geleitet gewesen sei, sondern als Beitrag zur Meinungsbildung diene.

Gegenüber derartigen Artikeln sei der Leser geneigt, weniger kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen als gegenüber Werbeanzeigen. Gerade daher bedürfe es einer strikten Trennung von Werbung und redaktionellen Beiträgen, wogegen die Beklagte mit ihrem Artikel eindeutig verstoßen habe.