Pressebild "Sprung in die Freiheit" darf als Vorlage für Kunst-Plastik benutzt werden

Landgericht Hamburg

Urteil v. 04.06.2008 - Az.: 308 O 114/08

Leitsatz

Ein Pressebild (hier: "Sprung in die Freiheit") darf als Vorlage für eine Kunst-Plastik verwendet werden, wenn es sich bei der geschaffenen Skulptur um ein neues Werk mit individueller schöpferischer Leistung handelt. Die Urheberrechte des Fotografen, der das Pressebild aufgenommen hat, werden dadurch nicht verletzt.

Sachverhalt

Drei Künstler aus Berlin erschufen eine Plastik für die Neugestaltung des Mauer-Gedenkareals in Berlin. Als Vorlage nutzten sie die weltberühmte Fotografie "Sprung in die Freiheit", die einen DDR-Grenzsoldaten beim Sprung über den Stacheldraht nach Westberlin zeigte.

Das verklagte Presseunternehmen fotografierte die Künstler zusammen mit der Plastik-Statue und veröffentliche dieses Bild sowohl online als auch in der Printausgabe.

Gegen diese Veröffentlichung wandte sich der Fotograf des Fotos "Sprung in die Freiheit", da er sich in seinen Urheberrechten verletzt sah.

Entscheidungsgründe

Die Richter gaben dem beklagten Presseunternehmen Recht.

Sie stellten zwar fest, dass das Pressebild "Sprung in die Freiheit" urheberrechtlichen Schutz genieße. Denn es handle sich um eine Aufnahme, bei der der Fotograf durch den gezielten Einsatz von Ausdrucksmitteln das Bildresultat in einer Weise beeinflusst und geprägt habe, dass eine persönliche und geistige Schöpfung vorliege.

Das Gericht verneinte aber einen Eingriff in diesen Schutz, da es sich bei der Plastik um ein neues Werk und somit um eine zulässige, freie Bearbeitung handle. Die Plastik weise eigene, individuelle Züge des Künstlers auf, die von der bildlichen Vorlage so losgelöst seien, dass eine selbstständige, schöpferische Leistung vorliege.

Werde ein urheberrechtlich geschütztes Foto als Motiv-Vorlage genutzt, so sei dies nur zulässig, wenn keine Übernahme des vom Fotografen vorgenommenen Arrangements erfolge. Dies sei hier gerade nicht der Fall, da der Fotograf auf die Situation des "Sprungs" gar keinen Einfluss gehabt habe.

Da bereits die Gestaltung der Skulptur in der vorliegenden Art und Weise zulässig gewesen sei, sei auch in der weiteren Veröffentlichung durch die Zeitung keine Urheberrechtsverletzung des Fotografen zu sehen.