Online veröffentlichtes Demotape von Dieter Bohlen rechtmäßig

Amtsgericht Hamburg

Urteil v. 07.07.2009 - Az.: 36A C 164/09

Leitsatz

Die Veröffentlichung eines Demotapes von Dieter Bohlen auf dem Internetauftritt einer Zeitung verletzt nicht das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Musikproduzenten. Das öffentliche Informationsinteresse, welches auch das Unterhaltungsinteresse schützt, hat Vorrang gegenüber den schutzwürdigen Belangen von Dieter Bohlen.

Sachverhalt

Bei dem Kläger handelte es sich um den Musikproduzenten Dieter Bohlen, der sich gegen die Veröffentlichung eines Demotapes auf dem Internetauftritt einer Zeitung wandte. Das Demotape war 20 Stunden auf der Webseite zum Abruf bereit. Auf dem Band war der Kläger zu hören wie er den Studiosängern Anweisungen gab, wie diese bestimmte Passagen zu singen hätten.

Da Dieter Bohlen der Veröffentlichung des Tonmitschnitts nicht zugestimmt hatte und daher sein Allgemeines Persönlichkeitsrecht verletzt sah, verlangte er die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung. Die Beklagte Zeitung gab diese ab, verweigerte aber die Zahlung der Abmahnkosten. Daher ersuchte der Musikproduzent gerichtliche Hilfe und verlangte die Erstattung der außergerichtlichen Kosten.

Entscheidungsgründe

Das Gericht entschied zugunsten der beklagten Zeitung, da diese nicht das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Sängers verletzt habe.

Es stellte fest, dass es zum Kern der Pressefreiheit gehöre, dass die Medien grundsätzlich entscheiden dürften, was sie veröffentlichten und was nicht. Diese grundrechtliche Gewährleistung hänge dabei nicht vom Niveau der Beiträge ab, sondern umfasse auch unterhaltende Artikel. Allerdings bedürfe es gerade bei unterhaltenden Beiträgen einer besonderen Berücksichtigung der kollidierenden Rechtspositionen. Bei einer Abwägung der Interessen müssten vor allem die Umstände mit einbezogen werden, unter welchen Umständen die Tonaufnahme gemacht worden sei.

Im vorliegenden Fall habe Dieter Bohlen zwar nicht in die Veröffentlichung des Mitschnitts eingewilligt. Dies sei aber nach Ansicht des Gerichts unerheblich. Denn bei einem Demotape handle es sich um ein bewusste Aufzeichnung des Gesangs, die in einem öffentlichen Raum aufgenommen worden sei. Zudem müsse eine öffentliche Person wie Dieter Bohlen es hinnehmen, dass das Publikum ein berechtigtes Interesse daran habe, wie seine stimmlichen Fähigkeiten seien und wie er mit den Studiosängern umgehe. Dieter Bohlen selbst habe sich in der RTL-Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" immer wieder abfällig über die Teilnehmer geäußert, so dass er es nun akzeptieren müsse, dass die Allgemeinheit übers seine Gesangskünste informiert werden möchte.