Online-Verwarnung einer Disziplinarstrafe nach 6 Monaten ungerechtfertigt

Oberlandesgericht Hamburg

Urteil v. 09.02.2010 - Az.: 7 U 73/09

Leitsatz

Wird ein Sportler wegen eines Verstoßes gegen das Anti-Doping-Regelwerk des Deutschen Ruder-Verbandes online verwarnt, ist dies nicht rechtswidrig, wenn die Bestimmungen des Verbandes dies vorsehen. Allerdings ist die Online-Veröffentlichung dann nicht mehr durch das öffentliche Informationsinteresse gedeckt, wenn die Verwarnung mehr als 6 Monate lang abrufbar ist. Der Schutz der Anonymität des Sportlers überwiegt dann.

Sachverhalt

Der Kläger war Ruderer und Mitglied im Deutschen Ruderverband. Da er gegen Doping-Meldepflichten verstoßen hatte, wurde gegen ihn eine Disziplinarstrafe ausgesprochen, die auf der Internetseite des Ruderverbandes veröffentlicht wurde. Die öffentliche Verwarnung war auch nach 6 Monaten noch abrufbar.

Da der Kläger sich in seinem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt sah, begehrte er Unterlassung.

Entscheidungsgründe

Die Richter gaben der Klage statt.

Sie erklärten, dass es zwar grundsätzlich zulässig sei, dass ein Verband einen seinen Sportler öffentlich verwarne, wenn dieser gegen die Bestimmungen des Verbandes verstoßen habe.

Jedoch verletze der Online-Bericht im vorliegenden Fall das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Klägers.

Im Rahmen einer Abwägung mit dem öffentlichen Informationsinteresse überwiege das Interesse des Ruder-Sportlers am Schutz seiner Anonymität, weil die öffentliche Verwarnung nach 3 Monaten weggefallen sei, im Internet aber insgesamt 6 Monate abrufbar gewesen sei. Dies habe der Sportler nicht hinzunehmen.

Besonders schwerwiegend sei der Eingriff in seine Rechte auch deshalb, weil die Abrufbarkeit der Verwarnung zu jedem Zeitpunkt von jedem PC weltweit möglich gewesen sei und eben nicht nur vom begrenzten Kreis der Rudersport-Interessierten.