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Klinsmann-Satire als gekreuzigter Christus der Zeitung "taz" erlaubt
Landgericht Muenchen, Beschluss v. 16.04.2009 - Az.: 9 O 6897/09 Drucker-Symbol  Hier drucken

Leitsatz:

Die Veröffentlichung einer Karikatur der Zeitung "taz", auf der Jürgen Klinsmann als gekreuzigter Christus dargestellt ist, ist erlaubt. Die Darstellung ist dem Bereich der Satire zuzuordnen. Die Kernaussage bewegt sich nicht auf religiösem Gebiet, sondern behandelt den beruflichen Erfolg als Fußballtrainer.



Sachverhalt:

Der Kläger Jürgen Klinsmann begehrte die Unterlassung der Veröffentlichung des Bildes in der Osterausgabe der "taz", auf denen er als gekreuzigter Christus dargestellt war. Oberhalb der Fotomontage stand der Text: "Always look on the Bright Side of Life". Unterhalb des Bildes stand: "Von Deutschlands Superstar zu Bayerns Buhmann: Sonnyboy Jürgen Klinsmann versiebt ein Spiel nach dem anderen. Warum dem gefallenen Heiland jetzt die Kreuzigung droht."

Erfolglos forderte er die "taz" zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf und begehrte daraufhin gerichtliche Entscheidung. Er sah sich durch die Fotomontage in seinem Persönlichkeitsrecht, insbesondere in seiner religiösen Ausprägung, massiv verletzt.


Entscheidung:

Das Gericht entschied zugunsten der Zeitung "taz". Die Darstellung sei noch dem Bereich der Satire zuzuordnen und daher erlaubt.

Zwar berühre die Veröffentlichung der Fotomontage den Kläger in seinem Persönlichkeitsrecht, jedoch sei dies nicht rechtswidrig, denn den Belangen von Jürgen Klinsmann stehe das überwiegende, durch die Pressefreiheit geschützte Interesse der "taz" gegenüber. Denn es handle sich bei dem Bild um eine Meinungsäußerung, die vom Element der Stellungnahme geprägt sei und nicht die Grenze zur Schmähkritik überschreite. Auch eine überzogene oder ausfällige Kritik, die bei einer satirischen Darstellung häufig als Stilelement verwendet werde, stelle noch keine Schmähung dar. Dies sei erst gegeben, wenn die betroffene Person durch die überspitzte Kritik vorsätzlich gekränkt werde.

Auf Basis dieser Grundsätze sei von einer satirischen Meinungsäußerung auszugehen, deren Kernaussage sich nicht auf dem religiösen Gebiet bewege, sondern den beruflichen Erfolg als Fußballtrainer behandle. Die mit der Darstellung zum Ausdruck gebrachte Prognose betreffe ausschließlich den von Jürgen Klinsmann willentlich in der Öffentlichkeit ausgeübten Lebensbereich und habe daher keinerlei religiösen Bezug.




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