Grundregelwerk eines Online-Rollenspiels genießt nicht zwingend Urheberrechtsschutz

Landgericht Koeln

Urteil v. 29.07.2009 - Az.: 28 O 180/08

Leitsatz

1. Das Grundregelwerk eines Internet-Rollenspiel weist nicht in allen Elementen einen urheberrechtlich geschützten Werkbestandteil auf. Schutzfähig sind vor allem die Handlung oder die individuell gestalteten Charaktere.

2. Keine Schutzfähigkeit genießen hingegen Attribute oder Genre-Begriffe, die keine eigenschöpferischen Züge aufweisen oder bereits in anderen Rollenspielen vorher verwendet werden.

Sachverhalt

Bei den Parteien handelte es sich um Verlage, die Rollenspiele herausgaben. Die Klägerin gewann mit ihrem Spiel bereits den "Deutschen Rollenspielpreis". Zu diesem Spiel gab sie ein Grundregelwerk mit Spielregeln und weiteren Beschreibungen heraus. Dieses Buch erschien auch in einer Zweitauflage. Darüber hinaus gab sie ein sogenanntes Kompendium heraus.

Die Beklagte stellte ihr Produkt auf der weltweit größten Messe für Rollenspiele vor. Die Klägerin war der Auffassung, dass ein Autor dieser Spiele Werkteile aus den Büchern übernommen und für das Spiel der Beklagten verwendet habe. Der Autor habe zuvor bei der Klägerin gearbeitet und die Betriebsgeheimnisse nun für ein eigenes Spiel benutzt. Da er geschützte Werkteile übernommen habe, müsse vorliegend von einer unfreien Bearbeitung ausgegangen werden. Daher begehrte die Klägerin gerichtliche Hilfe.

Entscheidungsgründe

Die Richter wiesen die Klage ab.

Sie stellten zunächst fest, dass die Klägerin die Verletzungshandlung auf alle drei Bücher des Rollenspiels stütze. Zwar besäßen diese Bücher den erforderlichen Werkcharakter und somit eine hinreichende schöpferische Gestaltungshöhe. Dennoch habe der Beklagte keine geschützten Werkteile aus den Büchern übernommen, so dass nicht von einer unfreien Bearbeitung gesprochen werden könne.

Grundsätzlich sei von einer freien Bearbeitung auszugehen, wenn das frühere Werk nicht nur nachgeahmt werde, sondern nach dem Gesamteindruck ein eigenschöpferisches, selbständiges Werk entstehe. Die benutzten charakteristischen Elemente des vorbekannten Werks müssten infolge der schöpferischen Eigenart verblassen. Dabei sei vor allem die Gestaltungshöhe des benutzten Werks von Bedeutung.

Nach Zugrundelegung dieser Grundsätze kam das Gericht zu der Ansicht, dass es sich um eine freie Bearbeitung handle. Die streitigen Passagen seien lediglich Genre-Begriffe wie "Beruf", "Schwimmen" oder "Wetterkunde". Ihnen können vorliegend keine eigenschöpferische Höhe zugesprochen werden, so dass sie urheberrechtlich nicht schutzfähig seien. Bei den angegriffenen Regelwerken bestehe zwar durchaus Ähnlichkeit zu den Spielregeln der Klägerin. Jedoch handle es sich dabei um Elemente, die vorher schon bei diversen anderen Rollenspielen standardmäßig verwendet worden seien.