Fußball-Onlineportal „hartplatzhelden.de“ darf keine Filmszenen von Amateurspielen zeigen

Oberlandesgericht Stuttgart

Urteil v. 19.03.2009 - Az.: 2 U 47/08

Leitsatz

1. Veranstaltern von Sportereignissen steht das alleinige Vermarktungsrecht zu. Dies gilt auch für die Veröffentlichung von Filmaufzeichnungen im World Wide Web.

2. In ein Fußball-Internetportal (hier: "hartplatzhelden.de") dürfen ohne die Genehmigung des zuständigen Sportverbandes keine Aufnahmen von Amateurspielen eingestellt werden.

Sachverhalt

Der Beklagte war ein beliebtes Fußball-Internetportal ("hartplatzhelden.de"), auf dem von Usern eingesandte Filmaufnahmen von Amateurspielen abrufbar waren.

Bei dem Kläger handelte es sich um den Württembergischen Fußballverband, der Veranstalter verschiedener Amateurspiele war. Filmszenen dieser Amateurspiele fanden sich auch auf dem Onlineportal des Beklagten.

Da der Kläger der Auffassung war, dass ihm als Veranstalter die alleinigen Verwertungsrechte an den Filmszenen zustünden, begehrte er gerichtlich die Unterlassung der Veröffentlichung der Aufnahmen.

Entscheidungsgründe

Die Richter entschieden zugunsten des Klägers.

Zwischen den Parteien bestehe ein Wettbewerbsverhältnis in Bezug auf die wirtschaftliche Vermarktung der streitigen Filmszenen, denn die Fußballspiele seien Leistungen im wettbewerblichen Sinne. Der Sportverband sei satzungsmäßig befugt, den Amateursport seiner Mitgliedsvereine zu fördern. Der Beklagte beabsichtige durch die Veröffentlichung Gewinne zu erzielen und Werbeeinnahmen zu generieren.

Das Verhalten des Beklagten stelle eine unlautere Nachahmung und damit einen Wettbewerbsverstoß dar, da auf der Internetseite nur Leistungen nachgeahmt würden, die ausschließlich der Kläger als alleiniger Rechteinhaber verwerten dürfe. Zwar stelle ein Sportereignis wie ein Fußballspiel als solches noch keinen wirtschaftlichen Wert dar. Die Wahrnehmung des Spiels im Internet durch das sportinteressierte Publikum sei jedoch kommerziell verwertbar.

Schließlich dürfe auch ein Sportverband seinen Unterlassungsanspruch darauf stützen, dass in seinen Gewerbetrieb rechtswidrig eingegriffen worden sei. Denn eine Verwertung der Rechte ohne die Einwilligung des Veranstalters greife unmittelbar in dessen Zuweisungsbereich ein, ohne dass hierfür eine Rechtfertigung bestehe.