DDoS-Attacken strafrechtlich als Computersabotage zu bewerten

Duesseldorf Landgericht

Urteil v. 22.03.2011 - Az.: 3 KLs 1/11

Leitsatz

1. DDoS-Attacken (distributed denial-of-service) sind strafrechtlich als Computersabotage nach § 303 b Abs.1 Nr.1, Abs.2 StGB einzuordnen.

2. Wer Firmen mit DDoS-Attacken droht, um im Gegenzug die Zahlung von Entgelten zu verlangen, begeht eine strafbare Erpressung.

Sachverhalt

Der Angeklagte beschloss, mittels eines sogenannten Bot-Netzes die Webseiten einzelner Glücksspiel-Anbieter lahmzulegen, wenn diese nicht zuvor eine bestimmte Summe an ihn gezahlt hatten.

Bei einem russischen Provider mietete er sich die erforderlichen Serverkapazitäten. Nach einer Vorbereitungszeit von 14 Tagen besass er ein ausreichendes Bot-Netz. Dazu war eine Vielzahl von privaten Rechnern heimlich durch einen Trojaner infiziert worden. Diese Computer konnte er mittels eines Kontrollservers ansprechen und einzelne Handlungen vornehmen lassen.

Er sprach in der Folgezeit mehrere Glücksspiel-Anbieter an und drohte ihnen mit einer DDoS-Attacke (distributed denial-of-service), es sei denn, er bekäme Zahlungen zwischen 1.000,- EUR und 2.000,- EUR.

Einige der Anbieter zahlten sofort, einige lehnten die Zahlung ab. Bei letzteren führte der Angeklagte z.T. umfangreiche DDoS-Attacken von mehreren Stunden durch, so dass die Server der betroffenen Firmen nicht mehr erreichbar waren. Den Unternehmen entstand zum Teil ein sechsstelliger EUR-Betrag als Schaden.

Entscheidungsgründe

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Erpressung und Computersabotage.

Die DDoS-Attacken seien strafbar nach § 303 b Abs.1 Nr.2, Abs.2 StGB. Denn durch das "Überfluten" des Servers mit Anfragen sei der Betrieb des Rechners zum Erliegen gekommen.

Ebenso habe der Angeklagte eine gewerbsmäßige Erpressung begangen, da er den Unternehmern gegenüber die DDoS-Attacken ankündigte und für die Nichtdurchführung seiner Drohung einen Geldbetrag einforderte.

Insgesamt verurteilte das Gericht ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.