Abbruch von eBay-Angebot wegen zu niedrigem Preis unwirksam

Amtsgericht Menden

Urteil v. 24.08.2011 - Az.: 4 C 390/10

Leitsatz

Die vorzeitige Beendigung eines eBay-Angebotes ist grundsätzlich möglich. Grund hierfür kann z.B. die Zerstörung des Kaufgegenstands sein. Es handelt sich jedoch um eine sachfremde Erwägung und damit um keinen wirksamen Grund, wenn der Verkäufer erklärt, dass ihm der Gebotspreis zu niedrig ist und er auf einer anderen Online-Auktionsplattform mehr erzielt. Der Höchstbietende des eBay-Angebots kann in einem solchen Fall Schadensersatz verlangen.

Sachverhalt

Der Beklagte bot auf eBay seinen PKW an. Er beendete das Angebot sehr kurzfristig, weil er festgestellt hatte, dass er auf der Online-Auktions-Plattform "mobile.de", wo er das Auto auch inseriert hatte, ein höheres Gebot erzielen konnte.

Der Kläger war zum Zeitpunkt der Beendigung des Angebots der Höchstbietende. Er forderte den Beklagten auf, ihm den Wagen zu übereignen. Als dieser der Aufforderung nicht nachkam, begehrte der Kläger gerichtlich Schadensersatz.

Entscheidungsgründe

Das Gericht gab dem Kläger Recht.

Es führte in seiner Begründung aus, dass der Kläger Schadensersatz wegen Nichterfüllung des Kaufvertrags verlangen könne.

Nach den AGB-Klauseln von eBay sei der Verkäufer zwar grundsätzlich berechtigt, die Auktion zu beenden. Es müsse jedoch ein sachlicher Grund hierfür vorliegen. Anlass für eine Beendigung könne beispielsweise die Zerstörung der Kaufsache sein. Sachfremde Erwägungen, wie beispielsweise ein anderweitiger, gewinnbringender Verkauf, begründeten hingegen keine vorzeitige Beendigung. Dabei handle es sich ausschließlich um wirtschaftliche Erwägungen, die unbeachtlich seien.

Gemäß diesen Voraussetzungen habe es dem Beklagten nicht zugestanden, das Angebot vorzeitig zu beenden. Er sei daher verpflichtet, dem Kläger den Schadensersatz zu leisten.