Kalender mit Aktfotos von Männern mit erigiertem Penis nicht pornografisch

Kammergericht Berlin

Urteil v. 08.02.2008 - Az.: (4) 1 Ss 312/07

Leitsatz

Ein Kalender, in dem Aktfotos von Männer mit erigiertem Penis gezeigt werden, fällt nicht unter den Pornographiebegriff und darf daher im Internet angeboten werden. Dies gilt zumindest dann, wenn die Männer auf den Bildern nicht zum bloßen, auswechselbaren Objekt sexueller Begierde degradiert werden.

Sachverhalt

Der Angeklagte bot über das Internet Kalender für homosexuelle Männer an. In diesem Kalender waren Aktfotos von Männern mit erigiertem Penis abgebildet. Die Männer wurden zumeist in einer Wohnung oder in der Natur fotografiert. Sexuelle Handlungen wurden nicht vorgenommen und auch der Gesichtsausdruck in die Kamera war neutral.

Die Staatsanwaltschaft war der Auffassung, dass der Kalender unter den Pornographiebegriff falle und der Angeklagte sich wegen Verbreitung pornografischer Schriften strafbar gemacht habe.

Entscheidungsgründe

Die Richter sprachen den Angeklagten frei.

Sie erklärten, dass die Aktfotos nicht unter den Pornographiebegriff fielen. Nur wenn die Darstellung nach ihrem objektiven Gesamteindruck eine Aufreizung des Sexualtriebs bezwecke und die Entmenschlichung der Sexualität im Vordergrund stehe, werde der Abgebildete zum bloßen, auswechselbaren Objekt degradiert, so dass von Pornographie ausgegangen werden müsse.

Vorliegend sei dies gerade nicht der Fall. Weder würden die Männer auf den Fotos sexuell herausfordernd schauen, noch seien sie in überzogen aufreizender oder unterwürfiger Pose abgebildet. Der Mann werde in seiner Gesamtausstrahlung gezeigt, so dass keiner der Bildausschnitte auf das Genital reduziert sei.

Insgesamt sei daher davon auszugehen, dass der Angeklagte sich nicht der Verbreitung pornografischer Schriften schuldig gemacht habe.