439 EUR für einen Foto-Anzeigenauftrag kein Wucher

Amtsgericht Sondershausen

Urteil v. 10.02.2011 - Az.: 3 C 524/10

Leitsatz

Für einen Foto-Anzeigenauftrag (= Fotoserie von fünf Aufnahmen, digitale Nachbearbeitung, Online-Veröffentlichung und Weitervermittlung von potentiell Interessierten) ist eine Summe von 439,- EUR rechtlich nicht zu bestanden. Der Tatbestand des Wuchers ist in keinem Fall erfüllt.

Sachverhalt

Der Beklagte bestellte bei der Klägerin einen "Anzeigenauftrag für die Veröffentlichung einer Fotochiffreanzeige". Die Klägerin verpflichtete sich darin, eine Fotoserie von fünf Aufnahmen mit dem Beklagten als Motiv anzufertigen. Diese Bilder sollten dann digital und im Internet veröffentlicht. Über einen Zeitraum von 12 Monaten versprach die Klägerin zudem eine Weitervermittlung von potentiell Interessierten.

Die Klägerin nannte hierfür einen Preis iHv. 439,- EUR. Der Beklagte nahm das Angebot an.

Nach Ablauf der 12 Monate wollte der Beklagte die Summe jedoch nicht zahlen, da er den Betrag für eindeutig zu viel halte und Wucher vorliege.

Entscheidungsgründe

Das Amtsgericht hat den Beklagten zur Zahlung in voller Höhe verurteilt.

Der vereinbarte Vertrag verstoße weder gegen Treu und Lauben noch erfülle er den Tatbestand des Wuchers.

Der Preis iHv. 439,- EUR stehe zu den angebotenen Leistungen in einem angemessenen Verhältnis. Denn für den Betrag habe der Beklagte nicht nur die Anfertigung der Fotos erhalten, sondern zugleich auch die digitale Nachbearbeitung, die Online-Stellung und die Vermittlung von Interessierten. Angesichts dieser Gegenleistungen könne von Wucher keine Rede sein.